Wie funktioniert Flugverkehr mit dem Coronavirus?

Als Betreiber der Webseite Fluggesellschaft.de stelle ich mir die Frage, wie man Flugreisen bei nun erwarteter Beruhigung der Pandemie-Lage verantworten kann. Wie sieht eine Zukunft mit dem Virus aus? Denn offenbar werden wir ihn so schnell nicht mehr los...

Ausgangslage Coronavirus zum Sommer 2021

Die Coronapandemie hat bereits mehreren Millionen Menschen auf der Welt das Leben gekostet. Einige kämpfen mit langwierigen Beschwerden mit unklarer Aussicht auf vollständige Genesung. Keine Altersgruppe ist vor einem schwerwiegenden Verlauf sicher. In Deutschland hat man sehr Vieles dafür getan die Zahl der Infizierten, Kranken und Toten zu reduzieren und eine Überlastung des Gesundheitssystems zu vermeiden. Das Personal im Gesundheitswesen leistet eine Arbeit, die höchsten Respekt verdient. Gleichzeitig sind die Impfprogramme gestartet. Es gibt zwar recht viel Kritik an der Umsetzung und Schnelligkeit, dennoch sind die Zahlen ermutigend, sodass bis Sommer 2021 ein großer Teil der Bevölkerung eine Impfung erhalten haben wird.

Position beziehen

Als ausgebildeter Reiseverkehrskaufmann und seit 1998 unternehmerisch tätige Person habe ich mich für die Tourismusbranche entschieden. Eine weitere Entscheidung ist außerdem, dass ich aufgrund des Virus (noch) nicht meine Profession ändern will. Dazu hänge ich zu sehr an dieser Leidenschaft und bin fest überzeugt, dass es weltweit ein wichtiger Wirtschaftszweig ist, der weiterhin eine immense Bedeutung haben wird. Im Folgenden erkläre ich im Detail, warum und wie ich mir eine touristische Zukunft mit Flugreisen vorstelle. 

Eigenverantwortung

Man sieht auch in anderen Ländern: Die Politik hat Schwierigkeiten auf die schnellen Lage-Änderungen zu reagieren. Viele Entscheidungen erscheinen unlogisch und die Regierungen geraten deswegen in ein Glaubwürdigkeitsproblem. Die Menschen bekommen den Eindruck: Heute so, morgen so. Als Folge erntet die Politik “Schimpf und Schande”.

Ich plädiere für mehr Eigenverantwortung. Jede*r von uns muss sich selbst Gedanken machen, wie sie/er das Risiko für sich und die Gesellschaft minimieren kann den Virus zu verbreiten oder selbst zu erkranken. Jede*r ist gefordert, das mit den richtigen Maßnahmen im Rahmen des Erlaubten umzusetzen. Die Erfahrung der letzten Monate zeigt, dass die Befolgung von Regeln und gesetzlichen Bestimmungen hilft, auch wenn manche Vorgabe unsinnig erscheint. Eigenverantwortung bedeutet auch, dass Jede*r die Maßnahmen kritisieren und bessere Lösungsvorschläge vorbringen kann.

“Blame the right one”

Der Tourismus befindet sich seit Monaten in eine faktischen Lockdown mit erheblichen Einschränkungen der Reisefreiheit. Touristische Reisen sind kaum möglich. In dieser Zeit haben sich die Infektionszahlen kaum erholt und wir sind trotzdem in “die dritte Welle” geschlittert.

Die Frage ist berechtigt: Wieso wird die Tourismusbranche mit besonders strengen Einschränkungen belegt (immer wieder Vorschläge wie “Reiseverbot”), wo sie kaum einen negativen Beitrag geleistet haben kann?
Branchen mit besonders umfangreichen und überwachbaren Hygiene-Standards und -Konzepten verdienen eine objektivere Gefahreneinschätzung

Leider notwendig: Leben mit dem Virus

Der Coronavirus kam und alle dachten, dass wir es in absehbarer Zeit überstehen werden. Die Hoffnung hat sich als falsch herausgestellt. Mit seiner weltweiten Ausbreitung und den neu aufkommenden Mutationen müssen wir damit rechnen, dass wir auch in den nächsten Monaten und Jahren damit leben müssen. Wir können das öffentliche Leben nicht für immer so stark einschränken, sondern müssen einen Weg finden, langfristig unter Risiko-Minimierung Öffnungskonzepte umzusetzen. Das gilt dann auch für den Transport- und Reiseverkehr. Das kann nicht nur eine regionale oder nationale Lösung werden, sondern muss international gedacht werden.

Innenräume können unsicher sein

Über die Monate hat sich eines ganz klar herauskristallisiert: Vor allem in den Innenräumen (Schulen, Kitas, Großraumbüros, produzierendes Gewerbe) verbreitet sich der Virus. Viele folgern daraus, dass es auch in Transportmitteln wie Taxi, Bus, Bahn und Flugzeug gefährlich ist.

Einige Studien dazu sind widersprüchlich. Es gibt Fälle, in denen auf Flügen die Verbreitung des Coronavirus in gewissem Maße nachgewiesen wurde. Es gibt aber auch Studien, die ein eher geringes Risiko bestätigen. Die meisten Studien beziehen sich auf den Transport von nicht-getesteten und nicht-geimpften Personen.

Wir sammeln weiter wissenschaftliche Erkenntnisse und bauen zusätzlich auf Erfahrungswerte. Als Zwischenergebnis kommen wir auf folgende Schlussfolgerung:

Sicheres Reisen / Fliegen ist möglich, wenn…

  • die Passagiere und Crews mit einem festgelegten Konzept getestet werden oder eine Impfung oder sonstige hoch-wahrscheinliche Immunität vorweisen können.
  • Ein Restrisiko wird es (offenbar) immer geben. Der Vorteil der Flugbranche gegenüber anderen Transportmitteln ist aber, dass durch die genaue Verfolgung der Passagierdaten und das immer schon umfangreiche Check-In System, alle Reisenden genau erfasst und somit kontrolliert werden können.

Die entscheidende Frage ist: Wie hoch ist das Restrisiko und wie entwickelt sich dieser Wert?
Die Luftfahrtbranche hat aus meiner Sicht ihre Hausaufgaben gemacht und sehr sichere Konzepte vorgestellt und umgesetzt. Damit ist das Restrisiko sich während eines Fluges zu infizieren auf einen geringen Wert heruntergefahren worden.

Soziale / wirtschaftliche Verantwortung

Wir befinden uns seit über einem Jahr in einer massiven Krise, die Unternehmen in vielen Branchen, vor allem der Reise-, Event- und Freizeitindustrie in existentielle Schwierigkeiten bringt und bereits zu vielen Insolvenzen, Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit geführt hat.

Die Probleme sind nicht auf Deutschland beschränkt. In manchen Ländern gehört der Tourismus zu den wichtigsten Einnahmequellen. Neben den rein medizinischen Folgen der Coronapandemie muss man sich auch Gedanken um die existentielle Bedrohung vieler Millionen Menschen machen und Lösungsvorschläge schnell umsetzen, bevor die Reserven aufgebraucht sind und sich eine Abwärtsspirale in Gang setzt.

Mein Fazit

Mit einem gewissen Maß an Eigenverantwortung sollte Jede*r das Risiko für sich und Andere einschätzen und reduzieren. Die Tourismusbranche setzt bestimmte Hygienekonzepte und -standards um und ist damit nicht der Treiber der Pandemie. Insbesondere das Fliegen ist sicher wenn darauf geachtet wird, dass nur getestete und / oder geimpfte Personen unterwegs sind.

Die Risiken müssen gerecht bewertet und Lösungen sollten unter Berücksichtigung der immensen wirtschaftlichen und existentiellen Folgen schnell erarbeitet und umgesetzt werden.

Eine Öffnung wird es offenbar aufgrund der unterschiedlichen Entwicklungen nicht gleichzeitig auf der ganzen Welt geben. Reisekorridore und bilaterale Abkommen scheinen der erste Schritt für eine Normalisierung zu sein.

Flugsuche