ADS-B Exchange: Was der ungefilterte Flugtracker zeigt

Luftfahrt-Glossar
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ADS-B Exchange (kurz ADSBx) ist ein Flugradar im Internet, das die Signale von Flugzeugen über ein weltweites Netz privater Empfänger sammelt und – anders als Flightradar24 oder Radarbox – ohne Filter anzeigt.

Auf einen Blick

  • ADS-B Exchange ist ein 2016 gegründeter Flugtracker, der Flugdaten nach eigener Aussage ohne Zensur oder Filter anzeigt, einschließlich Militär- und Privatflugzeugen.
  • Die Daten stammen aus einem Netz privater Empfangsstationen (Feeder); laut ADS-B Exchange sind es mehr als 25.000 aktive Empfänger (Stand: Oktober 2026).
  • Gründer Dan Streufert verkaufte ADS-B Exchange im Januar 2023 an das US-Luftfahrtdaten-Unternehmen JETNET.
  • Nach dem Verkauf wechselten Teile der Feeder-Community zu anderen Netzen wie adsb.fi oder dem OpenSky Network.
  • Flugzeuge ohne ADS-B, aber mit Mode-S-Transponder ortet das Netz per Multilateration (MLAT) über die Laufzeitunterschiede zwischen mehreren Empfängern.
Inhalt (7 Abschnitte)
  1. Auf einen Blick
  2. Was ist ADS-B Exchange?
  3. So funktionieren ADS-B und MLAT
  4. Unterschied zu Flightradar24 und Radarbox
  5. Militär, Privatjets und Eigentümerwechsel
  6. Für Planespotter
  7. Häufige Fragen

Was ist ADS-B Exchange?

ADS-B Exchange ist ein Flugtracker im Internet, der Flugzeugpositionen weltweit in Echtzeit und ohne Filter anzeigt. Die Live-Karte findest Du unter globe.adsbexchange.com. Gegründet wurde der Dienst 2016 von Dan Streufert, einem IT-Fachmann und Luftfahrt-Enthusiasten, als Hobbyprojekt.

ADS-B Exchange beschreibt sich selbst als Netzwerk, das alle Flugzeug-Aussendungen so zeigt, wie sie empfangen werden – ohne einzelne Flüge oder Flugzeugtypen auszublenden. Daher kommt sein Ruf als „ungefilterter“ Tracker. Unter Spottern ist ADSBx neben Flightradar24 und Radarbox eine der bekanntesten Radar-Apps.

So funktionieren ADS-B und MLAT

ADS-B (Automatic Dependent Surveillance – Broadcast) heißt, dass ein Flugzeug seine per GPS bestimmte Position, Höhe, Geschwindigkeit und Kennung selbstständig mehrmals pro Sekunde aussendet – in der Verkehrsluftfahrt auf 1090 MHz. Jeder mit einer passenden Antenne und einem günstigen USB-Empfänger kann diese Signale mitlesen. In Europa ist ADS-B seit 2017 für bestimmte Flugzeuge Pflicht, in den USA für viele Flugzeuge seit Januar 2020.

Freiwillige, die sogenannten Feeder, betreiben solche Empfänger und schicken ihre Daten an ADS-B Exchange. Typisch ist ein kleiner Rechner wie ein Raspberry Pi mit einem USB-Funkempfänger (RTL-SDR) und einer Antenne für 1090 MHz. Weil die Signale sich nahezu geradlinig ausbreiten, empfängt eine hoch montierte Antenne Flugzeuge in Reiseflughöhe oft noch in mehreren hundert Kilometern Entfernung. Laut Betreiber sind es mehr als 25.000 aktive Empfänger (Stand: Oktober 2026).

Sendet ein Flugzeug kein ADS-B, aber ein Mode-S-Transpondersignal, hilft Multilateration (MLAT): Empfangen mehrere Stationen dasselbe Signal, lässt sich aus den winzigen Unterschieden der Ankunftszeit die Position berechnen. Das funktioniert nur dort, wo genug Feeder dicht beieinander stehen.

Unterschied zu Flightradar24 und Radarbox

Technisch arbeiten alle großen Tracker ähnlich: Sie sammeln ADS-B- und MLAT-Daten über Freiwilligen-Netze. Der Unterschied liegt vor allem im Umgang mit sensiblen Flügen.

MerkmalADS-B ExchangeFlightradar24AirNav Radar (früher Radarbox)
Gründung / Sitz2016, USA2006, SchwedenAirNav Systems
Filterungzeigt Flüge nach eigener Aussage ungefiltertblendet u. a. Flugzeuge aus Sperrprogrammen wie dem US-Programm LADD aus oder zeigt sie eingeschränktkommerzieller Tracker mit eigenen Regeln
Zusätzliche DatenADS-B, MLATADS-B, MLAT, Satellit, Radardaten, FLARMADS-B, MLAT u. a.
SchwerpunktRohdaten, Militär, Business JetsLinienflüge, Flughafen-Infos, FotosLinienflüge, Flughafen-Infos

Radarbox heißt seit Dezember 2024 AirNav Radar. Wie die Betreiber solcher Apps arbeiten, erzählt unser Interview zum Flugradar Radarbox.

Militär, Privatjets und Eigentümerwechsel

Weil ADS-B Exchange nichts ausblendet, sieht man dort auch Regierungs- und Militärflugzeuge sowie Privatjets, deren Halter bei anderen Trackern eine Sperre beantragt haben. Voraussetzung ist, dass das Flugzeug überhaupt sendet: Viele Militärmaschinen schalten ADS-B im Einsatz ab und tauchen dann höchstens per MLAT oder gar nicht auf.

Im Januar 2023 verkaufte Dan Streufert ADS-B Exchange an JETNET, einen US-Anbieter von Marktdaten für die Geschäftsluftfahrt; der Kaufpreis wurde auf rund 20 Millionen US-Dollar geschätzt. JETNET betonte, die Daten blieben ungefiltert. Teile der Community reagierten trotzdem verärgert: Mitentwickler kritisierten, dass freiwillige Arbeit kommerzialisiert werde, und einige hundert der damals über 9.000 Feeder schalteten ihre Stationen ab. Viele wechselten zu gemeinschaftlich betriebenen Alternativen wie adsb.fi oder das OpenSky Network.

Hinter der Filterfrage steht eine grundsätzliche Debatte: ADS-B-Signale werden unverschlüsselt ausgesendet und sind für jeden empfangbar. Befürworter sehen in der ungefilterten Darstellung Transparenz, etwa bei Regierungsflügen. Kritiker verweisen auf die Privatsphäre von Flugzeughaltern und auf Sicherheitsbedenken bei sensiblen Flügen.

Für Planespotter

Spotter nutzen ADS-B Exchange vor allem, wenn sie Flugzeuge suchen, die andere Apps nicht zeigen: Militärtransporter, Regierungsmaschinen, Business Jets oder Überführungsflüge. Praktisch ist die Suche nach Kennzeichen oder ICAO-Hex-Code (der weltweit eindeutigen 24-Bit-Adresse jedes Transponders) und der Verlauf vergangener Flüge. Zu jedem Flugzeug zeigt die Karte unter anderem Kennzeichen, Typ, Höhe, Geschwindigkeit und den Transpondercode (Squawk) – etwa 7700 bei einem Luftnotfall.

Wer selbst einen Empfänger am Flughafen oder zu Hause betreibt, kann Daten an mehrere Netze gleichzeitig liefern. Für die tägliche Planung – welche Runway ist aktiv, wann kommt ein Sondergast – kombinieren viele Spotter mehrere Tracker, weil jeder Dienst Lücken haben kann. Mehr Spotter-Begriffe findest Du im Glossar von A bis Z.

Häufige Fragen

Ist ADS-B Exchange kostenlos?

Die Live-Karte auf globe.adsbexchange.com ist kostenlos und ohne Anmeldung nutzbar. Daneben bietet ADS-B Exchange kostenpflichtige Datenprodukte und Programmierschnittstellen für Unternehmen an.

Warum sieht man auf ADS-B Exchange Militärflugzeuge?

ADS-B Exchange blendet nach eigener Aussage keine Flüge oder Flugzeugtypen aus. Militärflugzeuge erscheinen dort, sobald sie ADS-B- oder Mode-S-Signale aussenden, die von Feedern empfangen werden. Schalten sie ihre Transponder ab, sind sie auch dort nicht sichtbar.

Wem gehört ADS-B Exchange?

Seit Januar 2023 gehört ADS-B Exchange dem US-Unternehmen JETNET, einem Anbieter von Luftfahrt-Marktdaten. Gründer Dan Streufert hatte den Dienst 2016 als Hobbyprojekt gestartet.

Was ist besser, Flightradar24 oder ADS-B Exchange?

Das hängt vom Zweck ab. Flightradar24 bietet mehr Komfort bei Linienflügen, etwa Flughafeninfos und Fotos, filtert aber bestimmte Flugzeuge heraus. ADS-B Exchange zeigt dafür auch Militär- und Privatjets, die bei anderen Trackern fehlen.

Verwandte Begriffe

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Quellen

Stand: 10/2026