Ein Freighter ist ein Frachtflugzeug, das statt Passagieren ausschließlich Fracht im Haupt- und Unterdeck befördert – ab Werk gebaut wie die Boeing 777F oder aus einem Passagierjet umgebaut (P2F).
Auf einen Blick
- Ein Frachtflugzeug (englisch Freighter) befördert Paletten und Container auch im Hauptdeck, das bei Passagierjets die Kabine ist, und hat dafür ein großes seitliches Frachttor.
- Die Boeing 747-8F trägt rund 140 Tonnen Nutzlast; mit ihr endete am 31. Januar 2023 die Produktion der Boeing 747 (Auslieferung an Atlas Air).
- Der neue Airbus A350F absolvierte am 29. September 2026 in Toulouse seinen Erstflug und soll bis zu 111 Tonnen tragen; die Zulassung ist für 2027 geplant (Stand: Oktober 2026).
- Die größten Frachtflughäfen Deutschlands sind Frankfurt, Leipzig/Halle (DHL-Drehkreuz seit 2008) und Köln/Bonn (Europa-Drehkreuz von UPS seit 1986).
- Lufthansa Cargo bestellte sieben Boeing 777-8F; die ersten 777-8F will Boeing laut aktuellem Zeitplan 2028 ausliefern (Stand: Oktober 2026).
Inhalt (8 Abschnitte)
Was ist ein Frachtflugzeug?
Ein Frachtflugzeug – in der Branche Freighter oder kurz „F“ hinter der Typbezeichnung (777F, 747-8F) – ist ein Flugzeug, das ausschließlich Fracht befördert. Statt Sitzen hat es im Hauptdeck ein Rollen- und Kugelboden-System, auf dem Paletten und Container (ULD, Unit Load Devices) verschoben und verriegelt werden. Beladen wird über ein großes Hauptdeck-Frachttor auf der linken Rumpfseite; die ab Werk gebauten Frachtversionen der Boeing 747 haben zusätzlich ein hochklappbares Bugtor für lange Ladung.
Hinter dem Cockpit gibt es meist nur wenige Sitze für Begleitpersonal, etwa Tierpfleger oder Kuriere. Fenster fehlen bei Werksfrachtern ganz, und eine stabile Trennwand (Rigid Barrier) schützt die Besatzung vor verrutschender Ladung.
Nur-Frachter oder Beiladefracht im Passagierjet?
Luftfracht reist auf zwei Wegen: im Nur-Frachter oder als Beiladefracht (englisch Belly Cargo) im Unterdeck von Passagierflugzeugen, neben den Koffern. Große Langstreckenjets nehmen dort viele Tonnen Fracht mit – eine Boeing 777-300ER zum Beispiel bis zu rund 25 Tonnen. Diese Fracht fliegt auf ohnehin geplanten Linienflügen mit. Lufthansa Cargo vermarktet zum Beispiel neben den eigenen Frachtern auch die Unterdeck-Kapazität der Passagierjets von Lufthansa, Discover, Brussels Airlines, Austrian Airlines und SunExpress.
Nur-Frachter braucht es trotzdem: für übergroße oder schwere Teile, die nicht durch die kleine Unterdeck-Tür passen, für Gefahrgut, das nicht im Passagierflugzeug mitfliegen darf, und für Strecken und Zeiten, die Passagierflüge nicht abdecken – etwa die nächtlichen Express-Netze der Paketdienste.
Wichtige Frachtflugzeug-Typen im Überblick
| Typ | Nutzlast (ca.) | Status (Stand: Oktober 2026) |
|---|---|---|
| Boeing 747-8F | 140 t | Produktion beendet; 107 Exemplare gebaut, letzte 747 am 31.01.2023 an Atlas Air |
| Boeing 777F | 100 t | Seit 2009 im Dienst (Erstkunde Air France); die FAA erlaubte im September 2026 bis zu 35 weitere Neubauten zwischen 2028 und 2030 |
| Airbus A330-200F | 65–70 t | Produktion beendet; 38 Exemplare ausgeliefert, Erstauslieferung 2010 an Etihad |
| Airbus A350F | 111 t | Erstflug am 29.09.2026 in Toulouse; Zulassung für 2027 geplant |
| Boeing 777-8F | 118 t | In Entwicklung; erste Auslieferung laut Boeing 2028 |
Hintergrund des Generationswechsels ist der CO₂-Standard der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation ICAO: Neu gebaute Flugzeuge, die ihn nicht erfüllen, dürfen ab 2028 grundsätzlich keine Zulassung mehr erhalten. Weil sich die 777-8F verzögert, hat die US-Luftfahrtbehörde FAA für die bisherige 777F eine befristete Ausnahme erteilt.
Umbau statt Neubau: P2F-Frachter
Viele Frachter waren früher Passagierflugzeuge. Beim P2F-Umbau (Passenger to Freighter) wird die Kabine ausgeräumt, ein Hauptdeck-Frachttor in den Rumpf geschnitten, der Boden verstärkt und die Fenster werden verschlossen. Ein Zentrum dafür liegt in Deutschland: Die Elbe Flugzeugwerke (EFW) in Dresden, ein Gemeinschaftsunternehmen von Airbus und ST Engineering, bauen dort Airbus A320, A321 und A330 zu Frachtern um.
Lufthansa Cargo setzt auf Kurz- und Mittelstrecken vier solcher Airbus A321P2F ein. Umgebaute Flugzeuge sind günstiger als Neubauten, tragen aber oft etwas weniger als werksneue Frachter und sind älter.
Fracht-Drehkreuze und Betreiber in Deutschland
- Frankfurt (FRA): größter Frachtflughafen Deutschlands und Heimatbasis von Lufthansa Cargo. Laut Wikipedia fliegt die Airline zwölf eigene Boeing 777F und hat sieben 777-8F bestellt (Stand: Juli 2026).
- Leipzig/Halle (LEJ): Nummer zwei in Deutschland. DHL betreibt hier seit 2008 sein europäisches Drehkreuz; 2025 wurden knapp 1,4 Millionen Tonnen Fracht umgeschlagen. Hier sitzt auch AeroLogic, ein Gemeinschaftsunternehmen von DHL und Lufthansa Cargo, das seit 2009 Boeing 777F fliegt – vor allem im Auftrag der beiden Eigentümer, also im Wet Lease.
- Köln/Bonn (CGN): Nummer drei, Europa-Drehkreuz von UPS seit 1986, außerdem Drehkreuz von FedEx seit 2010.
In Leipzig/Halle und Köln/Bonn sind Frachtflüge auch nachts erlaubt – ein Grund, warum sich die Paketdienste dort angesiedelt haben.
Für Planespotter: Frachter erkennen
Werksfrachter erkennst Du an der fensterlosen Rumpfseite und am großen Frachttor auf der linken Seite – je nach Typ vor oder hinter dem Flügel. Beim A330-200F fällt eine Ausbuchtung unter dem Cockpit auf: Dort sitzt das tiefer angebrachte Bugfahrwerk, damit der Rumpf am Boden waagerecht steht und sich das Hauptdeck leichter beladen lässt. P2F-Umbauten haben dagegen oft noch angedeutete, verschlossene Fensterreihen.
In der Spotter-Szene haben Frachter eigene Spitznamen: Die Boeing 747-8F heißt Eighter-Freigther, die Boeing 777F wegen ihres großen Fahrwerks und ihrer Lastesel-Rolle Latschen-Esel, und die gelben DHL- und AeroLogic-Maschinen sind die Banana Joes.
Häufige Fragen
Wie viel Fracht passt in ein Frachtflugzeug?
Das hängt vom Typ ab. Eine Boeing 747-8F trägt rund 140 Tonnen, eine Boeing 777F gut 100 Tonnen und ein umgebauter Airbus A321P2F bis zu 28 Tonnen. Der neue Airbus A350F ist für bis zu 111 Tonnen ausgelegt.
Was ist der Unterschied zwischen Frachtflugzeug und Passagierflugzeug?
Ein Frachtflugzeug hat statt der Kabine ein Hauptdeck mit Rollenboden für Paletten und Container sowie ein großes seitliches Frachttor. Passagierflugzeuge transportieren Fracht nur im Unterdeck neben dem Gepäck, als sogenannte Beiladefracht.
Wo landen in Deutschland die meisten Frachtflugzeuge?
Die drei größten Frachtflughäfen sind Frankfurt, Leipzig/Halle und Köln/Bonn. Leipzig/Halle ist das europäische Drehkreuz von DHL, Köln/Bonn das von UPS. In Frankfurt ist Lufthansa Cargo zu Hause.
Was bedeutet P2F bei Frachtflugzeugen?
P2F steht für Passenger to Freighter, also den Umbau eines gebrauchten Passagierflugzeugs zum Frachter. Dabei werden die Kabine ausgebaut, ein Frachttor eingesetzt und der Boden verstärkt. In Dresden bauen die Elbe Flugzeugwerke Airbus-Jets auf diese Weise um.
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Verwandte Begriffe
Quellen
- Wikipedia (EN): Boeing 747-8
- Wikipedia (EN): Lufthansa Cargo
- AeroCorner: Airbus A350F Freighter Takes to the Air for the First Time in Toulouse
- AirData News: FAA gives Boeing 777F three-year lifeline amid 777-8F delays
Stand: 10/2026