Beim Wet Lease mietet eine Airline ein Flugzeug samt Besatzung, Wartung und Versicherung (ACMI) von einer anderen Airline und fliegt damit unter eigener Flugnummer; die Lackierung wird dabei teils an den Mieter angepasst. Gegenstück ist der Dry Lease ohne Crew.
Auf einen Blick
- Beim Wet Lease stellt der Vermieter Flugzeug, Crew, Wartung und Versicherung – abgekürzt ACMI (Aircraft, Crew, Maintenance, Insurance) –, der Mieter verkauft die Tickets unter eigener Flugnummer.
- Beim Dry Lease wird nur das Flugzeug gemietet; Crew, Wartung und Betrieb übernimmt die mietende Airline unter ihrem eigenen Luftverkehrsbetreiberzeugnis (AOC).
- Die Lufthansa Group hat ihre Wet-Lease-Partnerschaft mit airBaltic ab Sommerflugplan 2025 um drei Jahre verlängert: bis zu 21 Airbus A220-300 im Sommer und fünf im Winter.
- Laut EuGH-Urteil vom 4. Juli 2018 (C-532/17) ist bei einem Wet Lease nicht der Vermieter von Flugzeug und Crew das ausführende Luftfahrtunternehmen, sondern die Airline, die über die Durchführung des Flugs entscheidet.
Inhalt (7 Abschnitte)
Was ist ein Wet Lease?
Ein Wet Lease ist die Miete eines Flugzeugs einschließlich Besatzung: Eine Airline (Leasinggeber) stellt einer anderen Airline (Leasingnehmer) Flugzeug, Cockpit- und Kabinencrew, Wartung und Versicherung zur Verfügung. In der Branche heißt das auch ACMI – Aircraft, Crew, Maintenance, Insurance. Der Mieter verkauft die Tickets, fliegt unter seiner Flugnummer und zahlt meist nach geflogenen Stunden; Treibstoff und Flughafengebühren trägt in der Regel er.
Das Flugzeug bleibt dabei im Betrieb des Vermieters, also unter dessen Luftverkehrsbetreiberzeugnis (AOC, Air Operator Certificate) und Wartungsorganisation. Typische Laufzeiten reichen von wenigen Wochen bis zu etwa zwei Jahren. In der Spotter-Szene kursiert dazu der Kalauer „nass geliehen – die Farbe tropft noch“, weil die Maschinen oft in fremder Lackierung mit aufgeklebtem Logo des Mieters unterwegs sind. Bei längeren Verträgen bekommt das Flugzeug häufig die komplette Lackierung des Mieters, und nur ein kleiner Schriftzug verrät die eigentliche Halterin.
Wet Lease, Damp Lease und Dry Lease im Vergleich
| Wet Lease (ACMI) | Damp Lease | Dry Lease | |
|---|---|---|---|
| Flugzeug | Vermieter | Vermieter | Vermieter (oft Leasingfirma) |
| Cockpit-Crew | Vermieter | Vermieter | Mieter |
| Kabinen-Crew | Vermieter | Mieter | Mieter |
| Wartung, Versicherung | Vermieter | Vermieter | Mieter |
| Betrieb unter AOC von | Vermieter | meist Vermieter | Mieter |
| Typische Dauer | Wochen bis ca. 2 Jahre | unterschiedlich | meist mehrere Jahre |
Der Damp Lease (vor allem im britischen Sprachgebrauch, auch „moist lease“) ist die Mischform: Der Vermieter stellt Flugzeug, Piloten und Technik, die Flugbegleiter kommen vom Mieter – so hat die Kabine den Service der mietenden Airline. Beim Dry Lease mietet eine Airline das nackte Flugzeug, häufig von großen Leasinggesellschaften, und betreibt es vollständig selbst, meist in eigener Lackierung.
Warum Airlines Flugzeuge im Wet Lease mieten
- Sommerspitzen: Zusätzliche Flugzeuge nur für die Hauptreisezeit, ohne eigene Crews das ganze Jahr bezahlen zu müssen.
- Lieferverzug und Ausfälle: Wenn neue Flugzeuge später kommen oder Maschinen wegen Triebwerksinspektionen am Boden stehen, überbrückt ein Wet Lease die Lücke.
- Neue Strecken testen: Eine Route lässt sich ausprobieren, bevor eigene Flugzeuge dafür gebunden werden.
- Fracht: Auch im Frachtgeschäft ist ACMI üblich – etwa bei Frachtflugzeugen der AeroLogic, die Boeing 777F für DHL und Lufthansa Cargo fliegt.
Ein bekanntes Beispiel: Die Lufthansa Group hat im September 2024 ihre Zusammenarbeit mit der lettischen airBaltic verlängert. Ab dem Sommerflugplan 2025 können drei Jahre lang bis zu 21 Airbus A220-300 im Sommer und fünf im Winter flexibel an verschiedenen Standorten der Konzern-Airlines eingesetzt werden – inklusive airBaltic-Crews (Stand: Oktober 2026).
In der EU muss die zuständige Luftfahrtbehörde Leasingverträge genehmigen; für Wet Leases von Airlines aus Nicht-EU-Staaten gelten strenge Auflagen.
Was Du als Passagier beim Wet Lease merkst
Gebucht hast Du bei Deiner Airline, an Bord stehst Du aber womöglich in einem Flugzeug in anderen Farben. Typische Hinweise:
- In der Buchung steht „durchgeführt von …“ mit dem Namen einer anderen Airline. Über diese Identität des ausführenden Unternehmens muss Dich der Verkäufer nach EU-Verordnung 2111/2005 informieren – auch, wenn sie sich nach der Buchung ändert.
- Sitze, Kabinenausstattung und Uniformen der Crew stammen vom Vermieter, häufig auch die Lackierung – manchmal ergänzt um ein Logo des Mieters am Rumpf.
- Bordservice und Bordverkauf richten sich nach dem Vertrag zwischen den Airlines und können vom gewohnten Angebot abweichen.
Als Planespotter erkennst Du Wet-Lease-Maschinen oft am ausländischen Kennzeichen, bei airBaltic etwa am lettischen Präfix YL-, und an Flugnummern der mietenden Airline auf Flugradar-Apps.
Fluggastrechte beim Wet Lease: Wer muss zahlen?
Die Fluggastrechte nach EU-Verordnung 261/2004 – Ausgleichszahlung, Betreuung, Erstattung – richten sich gegen das ausführende Luftfahrtunternehmen. Das ist laut Artikel 2 b) die Airline, die einen Flug im Rahmen eines Vertrags mit dem Fluggast oder im Namen einer anderen Person durchführt oder durchzuführen beabsichtigt.
Wer das beim Wet Lease ist, hat der Europäische Gerichtshof am 4. Juli 2018 geklärt (Rechtssache C-532/17, Wirth u. a. gegen Thomson Airways): Ausführend ist die Airline, die entscheidet, den Flug durchzuführen, und dabei die Strecke festlegt – nicht die Firma, die nur Flugzeug und Crew vermietet. Im entschiedenen Fall war deshalb nicht der Vermieter Thomson Airways zahlungspflichtig, sondern TUIfly, bei der die Kläger gebucht hatten. Für Dich heißt das: Beim klassischen Wet Lease richtest Du Deine Ansprüche an die mietende Airline, die den Flug durchführen lässt – meist die, bei der Du gebucht hast –, auch wenn auf dem Flugzeug ein anderer Name steht. Bei Codeshare-Flügen gilt diese Faustregel nicht automatisch.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Wet Lease und Dry Lease?
Beim Wet Lease mietet eine Airline Flugzeug, Crew, Wartung und Versicherung von einer anderen Airline. Beim Dry Lease mietet sie nur das Flugzeug und betreibt es mit eigenen Piloten, Flugbegleitern und eigener Wartung. Wet Leases sind meist kurz, Dry Leases laufen oft über Jahre.
Was bedeutet ACMI?
ACMI steht für Aircraft, Crew, Maintenance, Insurance – also Flugzeug, Besatzung, Wartung und Versicherung. Diese vier Leistungen stellt der Vermieter beim Wet Lease. Der Mieter übernimmt Vertrieb, Treibstoff und Gebühren.
Wer zahlt bei Verspätung, wenn der Flug im Wet Lease durchgeführt wird?
Ansprüche nach der EU-Fluggastrechteverordnung richten sich gegen das ausführende Luftfahrtunternehmen. Laut EuGH (C-532/17) ist das beim Wet Lease die Airline, die den Flug durchführen lässt und vermarktet, nicht der Vermieter von Flugzeug und Crew. Meist ist das die Airline, bei der Du gebucht hast.
Was ist ein Damp Lease?
Ein Damp Lease ist eine Mischform: Der Vermieter stellt Flugzeug, Cockpit-Crew und Wartung, die mietende Airline bringt ihre eigenen Flugbegleiter mit. Der Begriff ist vor allem in Großbritannien gebräuchlich.
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Verwandte Begriffe
Quellen
- EUR-Lex: Verordnung (EG) Nr. 261/2004 (Fluggastrechte)
- LTO: EuGH zu Entschädigungen bei Flugverspätung – Wer chartert, zahlt auch (C-532/17)
- Lufthansa Group Newsroom: Lufthansa Group verlängert Wet-Lease-Partnerschaft mit airBaltic
- Wikipedia (EN): Wet lease
Stand: 10/2026