Marshaller am Flughafen: Was der Einweiser fürs Flugzeug macht

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Ein Marshaller (Flight Line Marshaller, deutsch Einwinker oder Einweiser) lotst Flugzeuge mit genormten Handzeichen und Leuchtstäben über das Vorfeld auf ihre Parkposition. Längere Wege legt er im gelben, oft schwarz-gelb karierten „Follow Me“-Fahrzeug mit Rundumleuchte zurück, dem das Flugzeug folgt.

Auf einen Blick

  • Ein Marshaller (Flight Line Marshaller, deutsch Einwinker oder Einweiser) lotst Flugzeuge mit genormten Handzeichen über Vorfeld und Rollwege auf ihre Parkposition; die Start- und Landebahn selbst gehört nicht zu seinem Arbeitsbereich.
  • In der EU sind die Einwinkzeichen in Anlage 1 der Durchführungsverordnung (EU) Nr. 923/2012 (SERA) festgelegt; sie gehen auf Annex 2 der ICAO zurück und umfassen 34 Zeichen vom Einwinker an das Luftfahrzeug.
  • Bei Starrflüglern gibt der Marshaller seine Zeichen vor der linken Seite des Flugzeugs im Blickfeld des Piloten; nachts oder bei schlechter Sicht sind Leuchtstäbe vorgeschrieben.
  • Pflicht ist laut SERA eine auffällige fluoreszierende Weste; tagsüber dürfen Fluoreszenzstäbe, Signalkellen oder Handschuhe verwendet werden.
  • An vielen Gates übernehmen automatische Andocksysteme (Visual Docking Guidance Systems, etwa Safedock von ADB Safegate oder APIS++ von FMT) das Einweisen per Laser und Leuchtanzeige.
Inhalt (8 Abschnitte)
  1. Auf einen Blick
  2. Was ist ein Marshaller?
  3. Die wichtigsten Handzeichen
  4. Ausrüstung: Leuchtstäbe, Weste, Gehörschutz
  5. Follow-Me-Fahrzeug und automatische Andocksysteme
  6. Beruf und Ausbildung
  7. Für Planespotter: Marshaller in Aktion
  8. Häufige Fragen

Was ist ein Marshaller?

Ein Marshaller ist der Einweiser am Flughafen: Er lotst ein Flugzeug mit genormten Handzeichen auf seine Parkposition und gibt dem Piloten dabei Richtung, Tempo und Halt vor. Der vollständige Titel lautet Flight Line Marshaller (FLM), auf Deutsch heißt er Einwinker oder Einweiser.

Sein Arbeitsbereich ist das Vorfeld einschließlich der Rollwege (Taxiways) von und zu den Start- und Landebahnen, nicht aber die Bahnen selbst. Piloten kennen nicht jeden Flughafen im Detail und sehen aus dem Cockpit weder Hindernisse am Boden noch die exakte Haltemarke. Der Marshaller schließt diese Lücke. Weil ein Gespräch zwischen Pilot und Einweiser im Triebwerkslärm praktisch unmöglich ist, verständigen sich beide über standardisierte Zeichen; mit der Vorfeldkontrolle hält der Marshaller Funkkontakt.

Zu seinen Aufgaben gehört je nach Flughafen auch, die Abfertigung an der Position zu koordinieren, etwa das Heranfahren von Catering-, Tank- und Gepäckfahrzeugen, sowie allgemeine Sicherheitsaufgaben auf dem Vorfeld.

Die wichtigsten Handzeichen

In der EU sind die Einwinkzeichen verbindlich in Anlage 1 der Verordnung (EU) Nr. 923/2012 festgelegt, den Standardised European Rules of the Air (SERA). Sie setzen die Vorgaben aus Annex 2 der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation ICAO um. SERA listet 34 Zeichen vom Einwinker an das Luftfahrzeug, darunter auch Zeichen für Hubschrauber und für die Technik. Bei Flugzeugen steht der Marshaller vor der linken Seite, also im Blickfeld des Kapitäns, und muss vorher prüfen, dass der Weg frei von Hindernissen ist. Die wichtigsten Zeichen:

ZeichenSo sieht es aus
GeradeausArme angewinkelt, die Stäbe werden zwischen Brust- und Kopfhöhe auf und ab bewegt
Nach links drehen (aus Pilotensicht)Rechter Arm waagerecht zur Seite, die linke Hand winkt „vorwärts“; das Tempo zeigt die Drehgeschwindigkeit
Nach rechts drehen (aus Pilotensicht)Linker Arm waagerecht zur Seite, die rechte Hand winkt „vorwärts“
LangsamerArme seitlich gestreckt, Stäbe langsam zwischen Hüft- und Kniehöhe auf und ab
Normaler HaltArme waagerecht ausgestreckt, dann langsam über den Kopf, bis sich die Stäbe kreuzen
NothaltArme abrupt über den Kopf, Stäbe gekreuzt
Bremsklötze vorgelegtArme senkrecht über dem Kopf, Stäbe mit einer stoßenden Bewegung nach innen, bis sie sich berühren
Triebwerke abstellenStab wird in Schulterhöhe mit einer schneidenden Bewegung vor der Kehle entlanggeführt
Luftfahrzeug freigegebenSalut mit der rechten Hand oder dem Stab, Blickkontakt bis das Flugzeug rollt

Auch Piloten geben Zeichen aus dem Cockpit, etwa „Bremsen angezogen“: Der Arm wird waagerecht vor das Gesicht gehalten, die gestreckten Finger schließen sich zur Faust.

Ausrüstung: Leuchtstäbe, Weste, Gehörschutz

Die SERA-Regeln schreiben dem Marshaller eine auffällige fluoreszierende Weste vor, damit die Crew ihn als zuständigen Einweiser erkennt. Zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang nutzt er Tageslicht-Fluoreszenzstäbe, Signalkellen oder Handschuhe, nachts und bei geringer Sicht Leuchtstäbe. Die typischen orangefarbenen oder roten Stäbe heißen auf Englisch marshalling wands.

  • Kleidung: meist Overall mit reflektierender Warnweste in Gelb oder Orange
  • Gehörschutz: Pflicht, solange Triebwerke laufen; dauerhafter Lärm kann sonst das Gehör schädigen
  • Funkgerät: für den Kontakt zur Vorfeldkontrolle
  • Fahrzeug: das Follow-Me-Car für längere Strecken auf dem Vorfeld

Follow-Me-Fahrzeug und automatische Andocksysteme

Muss ein Flugzeug eine längere oder ungewohnte Strecke rollen, fährt der Marshaller im Follow-Me-Fahrzeug voraus. Die Autos sind meist gelb, teils schwarz-gelb kariert und tragen eine hohe Rundumleuchte. Vorgeschrieben ist das nicht; an größeren Flughäfen gehört der Dienst zum kostenpflichtigen Standard. An der Position steigt der Marshaller aus und weist das Flugzeug mit Handzeichen bis zur Haltemarke ein.

An vielen Gates mit Fluggastbrücke übernimmt heute ein Visual Docking Guidance System (VDGS) diese Aufgabe. Einfache Systeme wie AGNIS zeigen mit zwei Lampen nur die Mittellinie an. Moderne, sogenannte A-VDGS wie Safedock von ADB Safegate oder APIS++ von FMT messen die Position des Flugzeugs per Laser und zeigen auf einer Leuchtanzeige Abweichung von der Mittellinie, Restdistanz und „STOP“. Manche erkennen den Flugzeugtyp automatisch. Einen internationalen Standard für diese Anzeigen gibt es nicht, deshalb können sich Systeme selbst am gleichen Terminal unterscheiden. Auf Außenpositionen, bei Sonderverkehr oder wenn ein System ausfällt, weist weiterhin ein Mensch ein.

Beruf und Ausbildung

Als Marshaller dürfen in der EU nur Personen arbeiten, die nach Unions- oder nationalem Recht ausgebildet, qualifiziert und zugelassen sind. Zum Handwerkszeug gehören neben den Einwinkzeichen die Regeln auf dem Vorfeld und der Funkverkehr mit der Vorfeldkontrolle.

Der Job ist Schichtarbeit unter freiem Himmel bei jedem Wetter. Wer Flugzeuge aus nächster Nähe erleben will, findet hier einen der wenigen Arbeitsplätze direkt vor der Flugzeugnase.

Für Planespotter: Marshaller in Aktion

Am besten beobachtest Du Marshaller an Außenpositionen ohne Fluggastbrücke. Bei der Ankunft steht der Einweiser vor der Haltemarke, das Flugzeug rollt mit wenig Schub heran. Kurz vor dem Ziel werden die Stäbe langsamer, dann folgen die über dem Kopf gekreuzten Stäbe für „Halt“. Danach werden die Bremsklötze vorgelegt, und die Crew stellt die Triebwerke ab.

Beim Abflug siehst Du das Gegenstück: Nach dem Pushback und dem Offblock gibt der Einweiser mit einem Salut das Flugzeug zum Rollen frei (Taxi). Wer Flugbewegungen live verfolgen will, kann Ankunftszeiten und Positionen vorab in Flugradar-Apps prüfen; mehr dazu im Interview zu Flugradar-Apps.

Häufige Fragen

Wie nennt man den Mann, der Flugzeuge einweist?

Er heißt Marshaller, genauer Flight Line Marshaller, auf Deutsch Einwinker oder Einweiser. Er lotst Flugzeuge mit genormten Handzeichen und Leuchtstäben auf ihre Parkposition. Natürlich arbeiten in diesem Beruf auch Frauen.

Was bedeuten die gekreuzten Stäbe des Einweisers?

Werden die Stäbe langsam über dem Kopf zusammengeführt, bis sie sich kreuzen, ist das ein normaler Halt. Werden sie abrupt über dem Kopf gekreuzt, bedeutet das Nothalt. Beide Zeichen sind in der EU in Anlage 1 der SERA-Verordnung festgelegt.

Was ist ein Follow-Me-Fahrzeug?

Das Follow-Me-Car ist ein meist gelbes, teils schwarz-gelb kariertes Lotsenfahrzeug mit Rundumleuchte. Es fährt einem Flugzeug über das Vorfeld voraus und weist ihm den Weg zur Parkposition oder zum Rollweg. Am Ziel weist oft der Fahrer selbst als Marshaller ein.

Werden Marshaller durch automatische Systeme ersetzt?

Teilweise. An vielen Gates zeigen Visual Docking Guidance Systems wie Safedock oder APIS++ dem Piloten per Laser und Leuchtanzeige Kurs und Haltepunkt an. Auf Außenpositionen, bei Ausfällen und für Sonderfälle bleiben Marshaller aber im Einsatz.

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Quellen

Stand: 10/2026