Chevron Nozzles: Warum manche Triebwerke Zacken haben

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Chevron Nozzles (Chevron-Düsen) sind sägezahnförmige Zacken an der Hinterkante von Triebwerksgondel oder Schubdüse, die den Strahllärm senken. Typisch sind sie bei Boeing, etwa an 737 MAX, 787 und 747-8.

Auf einen Blick

  • Chevron Nozzles sind sägezahnförmige Hinterkanten an Triebwerksgondeln und Schubdüsen, die den Strahllärm verringern, indem sie heißen Kernstrom und kühleren Mantelstrom sanfter vermischen.
  • Die Technik entstand in den 1990er-Jahren am NASA Glenn Research Center; NASA-Forscher Dennis Huff beziffert die Lärmminderung auf rund drei Dezibel.
  • Erste Flugtests mit einer Chevron-Düse flog die NASA im März 2001 mit einem Learjet 25 bei Phoenix; das erste Verkehrsflugzeug-Triebwerk mit Chevrons war GEs CF34-8, das 2003 an einer Bombardier CRJ900 flog.
  • Die Boeing 787 hat Chevrons an den Triebwerksgondeln, die Boeing 747-8 an Gondeln und Kerndüsen, die 737 MAX an den Gondeln ihrer CFM-LEAP-1B-Triebwerke.
  • Chevrons kosten etwas Schub: In NASA-Triebwerkstests 1998 lag der Verlust bei etwa 0,25 Prozent.
Inhalt (7 Abschnitte)
  1. Auf einen Blick
  2. Was sind Chevron Nozzles?
  3. So funktionieren die Zacken
  4. Entwicklung: NASA, GE und Boeing
  5. Welche Flugzeuge haben Chevrons?
  6. Für Planespotter: Typen am Triebwerk erkennen
  7. Häufige Fragen

Was sind Chevron Nozzles?

Chevron Nozzles sind Schubdüsen mit sägezahnförmiger Hinterkante – die Zacken machen ein Triebwerk leiser. Der Name kommt vom englischen chevron für ein V-förmiges Winkelmuster, nozzle heißt Düse. Auf Deutsch spricht man von Chevron-Düsen oder einfach von Chevrons.

Die Zacken sitzen je nach Flugzeugtyp an der Hinterkante der Triebwerksgondel (Nacelle), aus der der kühle Mantelstrom austritt, an der inneren Kerndüse für den heißen Abgasstrahl oder an beiden. Für Planespotter sind sie eines der auffälligsten Erkennungsmerkmale moderner Boeing-Jets.

So funktionieren die Zacken

Ein modernes Mantelstromtriebwerk (Turbofan) stößt zwei Luftströme aus: den schnellen, heißen Kernstrom aus der Turbine und den langsameren, kühleren Mantelstrom, den der große Fan um den Kern herum bläst. Wo diese Ströme aufeinandertreffen und sich mit der Umgebungsluft mischen, entstehen starke Verwirbelungen. Diese Turbulenz ist die Hauptquelle des Strahllärms, also des tiefen Dröhnens beim Start.

Chevrons erzeugen an der Düsenkante kleine, in Strömungsrichtung drehende Wirbel. Sie sorgen dafür, dass sich die Ströme früher und gleichmäßiger vermischen. Weniger heftige Turbulenz bedeutet weniger Lärm. Der Preis ist ein geringer Schubverlust durch den zusätzlichen Widerstand: In NASA-Triebwerkstests 1998 lag er bei etwa 0,25 Prozent.

Entwicklung: NASA, GE und Boeing

Die NASA sucht seit den ersten Düsenverkehrsflugzeugen der 1950er-Jahre nach Wegen, Triebwerke leiser zu machen. Ein Ausgangspunkt waren rechteckige Kerben (Tabs) an Düsen von Militärjets. In den 1990er-Jahren stellten Dennis Huff und Kollegen am NASA Glenn Research Center in Cleveland fest, dass eine Sägezahnform mehr verspricht.

  • 1997: Im Auftrag der NASA entwickelten General Electric und Pratt & Whitney Tab- und Chevron-Entwürfe, die im Aero-Acoustic Propulsion Laboratory getestet wurden.
  • 1998: Triebwerkstests der 14 vielversprechendsten Entwürfe; die Chevron-Düse kostete nur rund 0,25 Prozent Schub.
  • März 2001: Erste Flugtests mit einem NASA-Learjet 25 bei Phoenix, abwechselnd mit 6 und 12 Zacken. Beim Anflug hörten die Forscher kaum einen Unterschied, nach dem Überflug und seitlich der Flugbahn war es dagegen deutlich leiser.
  • 2003: Das GE CF34-8, das erste Verkehrsflugzeug-Triebwerk mit Chevron-Technik, fliegt an einer Bombardier CRJ900.
  • 2005: Boeing, GE, Goodrich und die NASA testen im Quiet Technology Demonstrator 2 an einer 777-300ER von ANA Chevrons an Fan- und Kerndüse; laut Boeing brachte das bis zu zwei Dezibel weniger Lärm in der Umgebung.

Huff verglich die erreichte Minderung von rund drei Dezibel mit dem Unterschied zwischen zwei laufenden Rasenmähern und einem.

Welche Flugzeuge haben Chevrons?

Im Linienverkehr sind Chevrons vor allem ein Boeing-Merkmal. Die Airbus-Typen der aktuellen Generation fliegen mit glatten Düsen, ebenso die 777 mit dem GE90 und die neue 777X mit dem GE9X.

FlugzeugtypTriebwerkChevrons
Boeing 787Rolls-Royce Trent 1000 oder GE GEnx-1Bja, an der Gondel
Boeing 747-8GE GEnx-2Bja, an Gondel und Kerndüse
Boeing 737 MAXCFM LEAP-1Bja, an der Gondel
Boeing 737 NGCFM56-7Bnein
Boeing 777 / 777XGE90 / GE9Xnein
Airbus A320neo-FamilieCFM LEAP-1A oder Pratt & Whitney PW1100Gnein
Airbus A350Rolls-Royce Trent XWBnein

In Deutschland siehst Du Chevrons zum Beispiel an den Boeing 747-8 und 787-9 von Lufthansa, auf der Kurz- und Mittelstrecke an den 737 MAX 8-200 von Ryanair (Stand: Oktober 2026).

Für Planespotter: Typen am Triebwerk erkennen

Chevrons sind ein schnelles Unterscheidungsmerkmal, wenn zwei Typen auf den ersten Blick ähnlich aussehen. Zusammen mit den Flügelspitzen (Winglets) ergibt sich ein sicheres Bild:

  • Boeing 787 oder Airbus A350? Die 787 hat gezackte Gondeln und schräg nach hinten gezogene Flügelspitzen ohne Winglet; die A350 hat glatte Gondeln und ein nach oben gebogenes Winglet.
  • 737 MAX oder 737 NG? Die MAX hat gezackte Gondeln, die NG glatte. Auf die Winglets allein ist hier kein Verlass: Viele 737 NG wurden mit zweigeteilten Split Scimitar Winglets nachgerüstet, die den Winglets der MAX ähneln. Die Zacken an den Triebwerken sind deshalb das sicherere Merkmal.
  • 737 MAX oder A320neo? Beide fliegen mit neuen, großen Triebwerken, aber nur die Boeing mit Zacken; das NEO-Triebwerk von Airbus hat eine glatte Hinterkante.
  • 747-8 oder 747-400? Die 747-8 (Queen of the Skies der neuesten Generation) trägt Chevrons an den GEnx-Triebwerken, die 747-400 hat glatte Düsen.

Tipp: Am besten erkennst Du die Zacken von schräg hinten oder im Profil, etwa auf Fotos beim Start.

Häufige Fragen

Was sind die Zacken am Flugzeugtriebwerk?

Die Zacken heißen Chevrons oder Chevron Nozzles. Sie sitzen an der Hinterkante von Triebwerksgondel oder Schubdüse und sorgen dafür, dass sich die Abgasströme sanfter vermischen. Dadurch wird das Triebwerk leiser.

Wie viel leiser machen Chevrons ein Flugzeug?

Laut NASA-Forscher Dennis Huff senken Chevrons den Lärm um rund drei Dezibel, vergleichbar mit einem statt zwei laufenden Rasenmähern. Bei Boeings Testprogramm 2005 an einer 777-300ER waren es bis zu zwei Dezibel weniger Lärm in der Umgebung des Flughafens.

Welche Flugzeuge haben Chevrons?

Bekannte Beispiele sind die Boeing 787, die Boeing 747-8 und die Boeing 737 MAX. Airbus A320neo und A350 sowie die Boeing 777 und 777X haben dagegen glatte Düsen.

Warum hat nicht jedes Triebwerk Chevrons?

Chevrons erzeugen etwas zusätzlichen Widerstand und kosten Schub, in NASA-Tests rund 0,25 Prozent. Moderne Triebwerke mit sehr großem Fan und hohem Nebenstromverhältnis erreichen die Lärmgrenzwerte auch auf anderem Weg. Deshalb verzichten etwa die A350 und die 777X darauf.

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Stand: 10/2026