Durchstarten (Go-around): Warum Flugzeuge die Landung abbrechen

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Durchstarten (englisch go-around) heißt, dass die Crew einen Landeanflug abbricht, die Triebwerke auf Start- bzw. Durchstartleistung bringt und wieder steigt, statt zu landen. Es ist ein normales Sicherheitsverfahren, das bei Airlines im Schnitt ein- bis dreimal pro 1.000 Anflüge vorkommt.

Auf einen Blick

  • Beim Durchstarten (Go-around) bricht die Crew einen Landeanflug ab, setzt Start- bzw. Durchstartleistung (TOGA) und geht in den Steigflug über.
  • Laut dem Abschlussbericht der Flight Safety Foundation zum Go-Around-Projekt (2017) kommen Durchstartmanöver bei Airlines im Schnitt ein- bis dreimal pro 1.000 Anflüge vor.
  • Häufige Gründe sind eine nicht freie Landebahn, ein instabiler Anflug, plötzliche Windänderungen oder fehlende Sicht auf Bahn und Anflugbefeuerung an der Entscheidungshöhe.
  • Ein Durchstarten gilt nicht als Zwischenfall, sondern als normaler Abschluss eines Anflugs; die Flight Safety Foundation bezeichnet es ausdrücklich als normale Flugphase.
  • Ein Kurzstreckenpilot fliegt laut Flight Safety Foundation im Schnitt ein- bis zweimal pro Jahr ein Durchstartmanöver, ein Langstreckenpilot etwa alle zwei bis drei Jahre.
Inhalt (8 Abschnitte)
  1. Auf einen Blick
  2. Was bedeutet Durchstarten?
  3. Gründe für ein Durchstartmanöver
  4. So erlebst Du das Durchstarten als Passagier
  5. Wie häufig kommt Durchstarten vor?
  6. Unterschied zu Missed Approach und Touch and Go
  7. Für Planespotter: Durchstarten erkennen
  8. Häufige Fragen

Was bedeutet Durchstarten?

Durchstarten (englisch go-around) ist ein Flugmanöver, bei dem ein begonnener Landeanflug nicht mit einer Landung endet, sondern durch Erhöhen des Schubs und Übergang in den Steigflug abgebrochen wird. Danach fliegt das Flugzeug einen festgelegten Weg, steigt auf eine vorgegebene Höhe und wird für einen neuen Anflug eingereiht – oder es fliegt zu einem Ausweichflughafen.

Die Entscheidung trifft entweder die Crew selbst oder die Flugverkehrskontrolle (ATC) weist das Durchstarten an. In Verkehrsflugzeugen gibt es dafür eine eigene Schubstellung: TOGA (Take-off/Go-around). Bei Airbus schiebt der Pilot die Schubhebel in die TOGA-Raste, bei Boeing drückt er die TO/GA-Schalter am Schubhebel. Durchstarten ist sogar noch nach dem Aufsetzen möglich – allerdings nur, solange die Schubumkehr nicht aktiviert ist.

Gründe für ein Durchstartmanöver

Die Crew muss nicht begründen, warum sie durchstartet – im Zweifel gilt: lieber eine Runde mehr. Typische Auslöser sind:

  • Bahn nicht frei: Das vorausgelandete Flugzeug hat die Runway noch nicht verlassen, ein startendes Flugzeug steht noch auf der Bahn oder ein Fahrzeug befindet sich im Schutzbereich.
  • Instabiler Anflug: Das Flugzeug ist zu schnell, zu hoch, sinkt zu stark oder ist nicht sauber auf Kurs. Airlines legen Stabilisierungshöhen fest, meist zwischen 1.000 und 500 Fuß (rund 300 bis 150 Meter) über Grund. Ist der Anflug dort nicht stabil, schreiben die Verfahren das Durchstarten vor.
  • Wind: starke Böen, plötzliche Windänderungen oder eine Windscherungswarnung.
  • Sicht: Bei einem Instrumentenanflug sind Bahn oder Anflugbefeuerung an der Entscheidungshöhe nicht zu sehen.
  • Verpatzte Landung: Das Flugzeug springt nach dem Aufsetzen wieder hoch (bounce) oder setzt zu weit hinter der vorgesehenen Aufsetzzone auf.
  • Technik oder Staffelung: eine Störungsanzeige, etwa beim Fahrwerk, oder zu geringer Abstand zum vorausfliegenden Flugzeug.

So erlebst Du das Durchstarten als Passagier

Für Passagiere kommt ein Durchstartmanöver meist überraschend, weil es kurz vor der Landung passiert. Der Ablauf ist aber immer ähnlich:

  1. Schub: Die Triebwerke werden deutlich lauter, Du wirst leicht in den Sitz gedrückt.
  2. Steigflug: Die Nase hebt sich, das Flugzeug steigt wieder – oft spürbar steiler als im Anflug.
  3. Fahrwerk und Klappen: Sobald das Flugzeug sicher steigt, wird das Fahrwerk eingefahren (hörbares Rumpeln und Klacken der Fahrwerksklappen). Die Landeklappen fahren in Stufen ein.
  4. Durchsage: Wenn die Lage im Cockpit es zulässt, erklärt die Crew den Grund.
  5. Neuer Anflug: Meist folgt eine Schleife und ein zweiter Anflug. Wie lange das dauert, hängt von Verkehr, Wetter und Treibstoff ab. Bleibt das Wetter schlecht, kann die Crew zu einem Ausweichflughafen fliegen.

Das Manöver ist trainiert und Routine im Simulator: Piloten üben es regelmäßig, auch mit einem ausgefallenen Triebwerk.

Wie häufig kommt Durchstarten vor?

Die Flight Safety Foundation (FSF), eine unabhängige Organisation für Flugsicherheit, hat das Thema in ihrem 2017 veröffentlichten Go-Around-Projekt untersucht. Ergebnis: Durchstartmanöver kommen bei Airlines im Schnitt ein- bis dreimal pro 1.000 Anflüge vor, je nach Airline und Umgebung mit großen Unterschieden. In einem ausgewerteten Datensatz von fast 500.000 Flügen lag die Rate bei 0,29 Prozent, also etwa einem von 340 Anflügen. Auf der Langstrecke war sie mit 0,40 Prozent etwas höher.

Für Piloten ist das Manöver damit selten: Ein Kurzstreckenpilot fliegt laut FSF im Schnitt ein- bis zweimal pro Jahr durch, ein Langstreckenpilot etwa alle zwei bis drei Jahre. Die FSF nennt das Durchstarten ausdrücklich eine normale Flugphase. Das Problem ist eher das Gegenteil: Nur rund 3 Prozent der instabilen Anflüge enden laut dem Bericht tatsächlich mit einem Durchstarten. Airlines ermutigen ihre Crews deshalb, im Zweifel durchzustarten, statt eine unsichere Landung zu erzwingen.

Unterschied zu Missed Approach und Touch and Go

Im Alltag werden mehrere Begriffe vermischt. Die wichtigsten Unterschiede:

BegriffWas passiertTypischer Anlass
Durchstarten (Go-around)Anflug wird abgebrochen, das Flugzeug steigt wieder; Oberbegriff für alle AbbrücheBahn belegt, instabiler Anflug, Wind, Sicht
Missed Approach (Fehlanflug)Abbruch eines Instrumentenanflugs nach dem veröffentlichten Fehlanflugverfahren mit festgelegtem Kurs und Höhekeine Sicht an der Entscheidungshöhe, Anweisung der Flugsicherung
Touch and GoAufsetzen und ohne Stillstand sofort wieder startengeplantes Training
Low ApproachAnflug bis in geringe Höhe über der Bahn, dann Steigflug ohne BodenkontaktTraining, Vermessungsflüge, Vorführungen

Kurz gesagt: Der Missed Approach ist das festgelegte Verfahren, nach dem ein Durchstarten bei einem Instrumentenanflug geflogen wird. Touch and Go und Low Approach sind dagegen geplante Übungen. Wie Flughäfen mit Durchstartern umgehen, zeigt auch der Glossar-Begriff Swing to depart.

Für Planespotter: Durchstarten erkennen

Am Flughafen erkennst Du ein Durchstarten am plötzlich hochlaufenden Triebwerksgeräusch kurz vor der Schwelle, am Wechsel vom Sink- in den Steigflug und daran, dass kurz darauf das Fahrwerk einfährt. In Flugradar-Apps zeigt die Spur eine Schleife zurück in den Anflug.

Ein gut dokumentiertes Beispiel stammt vom 12. April 2023 in Leipzig/Halle: Der Lufthansa-A380 D-AIMK (King of the Skies) kam zum Trainingsflug auf die Bahn 26R, während dort eine Antonov An-124 zum Start bereitstand. Der A380 überflog die Antonov in gut 500 Fuß Höhe und stieg am Bahnende wieder – ein Durchstarten ohne Bodenkontakt. Danach folgten zehn Touch and Gos. Alle Details und das Video findest Du im Bericht über das Lufthansa-A380-Training in Leipzig.

Häufige Fragen

Ist Durchstarten gefährlich?

Nein, Durchstarten ist ein normales Sicherheitsverfahren und gilt nicht als Zwischenfall. Die Crew bricht die Landung ab, weil die Bedingungen für eine sichere Landung gerade nicht stimmen. Piloten trainieren das Manöver regelmäßig im Simulator.

Warum startet ein Flugzeug bei der Landung durch?

Häufige Gründe sind eine noch belegte Landebahn, ein instabiler Anflug (zu schnell, zu hoch oder nicht auf Kurs), starke Böen oder Windscherung und fehlende Sicht auf die Bahn an der Entscheidungshöhe. Auch die Flugsicherung kann ein Durchstarten anweisen.

Wie oft kommt Durchstarten vor?

Laut Flight Safety Foundation im Schnitt ein- bis dreimal pro 1.000 Anflüge. In einem Datensatz von fast 500.000 Flügen war es etwa einer von 340 Anflügen. Als Passagier erlebst Du es also selten.

Was ist der Unterschied zwischen Go-around und Missed Approach?

Go-around ist der Oberbegriff für jeden abgebrochenen Landeanflug. Missed Approach bezeichnet das veröffentlichte Fehlanflugverfahren eines Instrumentenanflugs mit festgelegtem Kurs und festgelegter Höhe, nach dem das Durchstarten dann geflogen wird.

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Stand: 10/2026